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Mathis Oberhof Mathis Oberhof
22. Oktober 2018 at 11:43
Prolog „Wollt ihr wirklich 500 km fahren, nur um euch ein Musical anzuschauen?“ fragte mich vorher einen Freund. Ich antwortete ihm: „Andere fahren nach Bayreuth oder Salzburg, wir fahren nach Stegaurach!“ und das, ehrlich gesagt, schon zum zweiten Mal, denn der umfassende musikalische ästhetische und choreographische Genuss, den wir im April 2016 bei den „Lovestories“ erlebten, war Motivation genug, erneut von Berlin aus in Richtung Süden zu starten. Und es hat sich verdammt gelohnt! Erstes Bild: Das Thema, besser gesagt: die Themen: Homosexualität, Outing, Kirche, Sühne, wie ist meine sexuelle Orientierung -hetero oder schwul? ingroup- outgroup-Verhalten- Wie reagiere ich als Mutter auf meinen schwulen Sohn? wenn ich die Fülle der Themen, die an diesem Abend behandelt werden, habe, könnte man meinen, das ganze sprengt doch den Abend eines Theaterstücks, geschweige denn eines Musicals. Weit gefehlt. Die Künstlerwerkstatt ist eben eine Künstlerwerkstatt. Nichts zerfasert, nichts ist zu viel, nichts bleibt oberflächlich. Zweites Bild: Die Bühne. Sie führt mitten in den Zuschauerraum, in manchen Szenen laufen die Darsteller durch die Zuschauer hindurch. So berührt uns das Stück auch faktisch, fast haptisch, und geht uns sehr nahe.Ich sehe viele Tränen, zuletzt auch über meine eigenen Backen laufen. Drittes Bild: Die Chöre. Da ich selbst seit 6 Jahren einen Grossteil meines Lebensglücks in den wöchentlichen Chorproben erlebe, bin ich da besonders sensibel ( vielleicht auch: kritisch?). Sie sind der Hammer. Da stimmt ( fast) jeder Ton. Alle Stimmgruppen sind klangstark herauszuhören. Wer bis dahin nicht ergriffen war, wird jetzt MITGERISSEN. Vom ersten bis zum grandiosen Finale. Viertes Bild: Die Solisten. Wer anfängt, aufzuzählen, gerät in Gefahr, Wichtiges zu vergessen. Dennoch: Cristina Szlopp zaubert stimmlich einen Hauch von SISTER ACT auf die Bühne von Stegaurach, Georg Graefe,der schon als Projekt- und musikalischer Leiter, als Lichtdesigner und als Layout Grafiker einen ganzen Rucksack voll Verantwortung für den großartigen Abend beiträgt, brilliert überzeugend zusätzlich in der Rolle als Jason schauspielerisch wie auch stimmlich. Und selbst, wenn man mir unterstellt, als Onkel wäre ich befangen, was die Nichte beträfe: dass sie eine großartige Stimme hat und über hohes schauspielerisches Talent verfolgt, meine Liebe Nichte Pia Kaufmann, das wusste ich schon vorher, aber heute Abend reist sie mich vom Hocker, rührt sie mich zu Tränen. Und so viele andere überzeugende schauspielerische und gesangliche Leistungen! Etwas verkürzt und auf baierisch: „Schee woarsⁿ, gwoant hom ma“. Und, das Licht, das Kreuz an der Decke, die irre Aussteuerungs- Heraufforderung, 21 Headsets richtig zu begleiten, die sagenhafte Band. Und die Spendensammlung für örtliche soziale Projekte. Alles einfach der Hammer. Und ein Abend, von dem man glücklich und summend nach Hause fährt. Auch wenn’s 500 km sind. We’re shure, we come back again!
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